Gesundheitsfeind Sitzen

Kenne deinen Feind: das Sitzen

Ich könnte bei einem Flugzeugabsturz umkommen. Ich könnte bei einem Verkehrsunfall sterben. Ich könnte von einem Hai im Meer gefressen werden. Bären könnten mich im Wald zerreißen. Ich könnte im Ausland gekidnappt, als Geisel festgehalten und ermordert werden. Mein Fallschirm könnte sich nicht öffnen. Mein Boot könnte sinken. Ich könnte vergessen, vorm Überqueren der Straße nach links und rechts zu schauen und – platsch!

Es gibt viele Möglichkeiten, da draußen ums Leben zu kommen, aber ich habe immer die Möglichkeit, ein vorzeitiges Ende zu vermeiden, indem ich daheim bleibe und auf meinem Sofa sitze. Stimmt’s?

Nein! Stimmt nicht!

Ich – ich fühl’ mich auf dem Sofa nicht mehr wohl. Jedes Mal, wenn ich mehr als 20 Minuten lang irgendwo sitze, habe ich Angst, dass ich tot umfalle.

Hast du die Schlagzeilen auch gelesen? Sitzen ist eine »tödliche Aktivität« – Gesundheitsforschung, Süddeutsche Zeitung Magazin.

 

Foto Credit: wavebreakmediamicro 123RF.com
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Die Angst vor dem Sitzen

In den letzten Jahren ist eine wahre Flut von Forschungen über das Sitzen veröffentlicht worden, die so beängstigend ist, dass es die Leute buchstäblich vom Hocker gerissen hat. Der Trend zum Steh-Pult fegt in den USA schon durch die Büros. Vielleicht gibt es auch in deinem Büro einen Steher. Vielleicht macht Ihr euch hinter seinem Rücken über ihn lustig, doch wird er vielleicht zuletzt lachen?

Die Forschung sagt, ja, das wird er.

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Sitzen und chronischer Krankheit. Das Schlüsselwort in diesem Satz lautet Zusammenhang. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass das Sitzen eine Ursache für eine schlechte Gesundheit sei. Es gibt noch vieles, was wir nicht wissen, wenn es ums Sitzen und um die Gesundheit geht.

 

Die Inaktivitätsphysiologie – die Erforschung dessen, was sich im Körper tut, wenn er nichts tut – ist ein relatives neues Feld.  Eine neue Studie mit Menschen wurde von Hidde VanDerPloeg durchgeführt, einem Wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Sydney School of Public Health der Universität von Sydney.

Sein Team hat Daten von 200.000 Australiern untersucht und herausgefunden, dass Erwachsene, die elf oder mehr Stunden am Tag sitzend verbrachten, ein um 40% höheres Risiko hatten, innerhalb der nächsten drei Jahre zu sterben – verglichen mit Menschen, die weniger als vier Stunden täglich sitzen.

„Wir glauben, dass längeres Sitzen schädlich für die Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit ist“, sagt VanDerPloeg. „Es scheint schlecht zu sein für das ACL-Cholesterin, den Triglyzeridspiegel und die Insulinsensitivität.“

 

Was ist die physiologische Erklärung hierfür?

Das weiß keiner. Es gibt noch nicht viele Untersuchungen zur physiologischen Reaktion auf längeres Sitzen.  Was wir heute wissen, ist, dass ein sitzender Lebensstil zu einem erhöhtem Triglyzeridspiegel führt, zu niedrigeren Werten des ‚guten‘ Cholesterins (Lipoprotein hoher Dichte), zu einer geringeren Insulinsensitivität, zum metabolischen Syndrom, zu einer Unterdrückung der Bildung des Lipoproteins Lipase in der Skelettmuskulatur, des Enzym zur Hydrolyse von Triglyzeriden, und zu einer verringerten Knochendichte.

Bis weitere Forschungen abgeschlossen sind, wissen wir bloß, dass Gesundheitsrisiken mit dem Sitzen in Zusammenhang stehen – nicht durch das Sitzen verursacht werden, sondern damit in Zusammenhang stehen.

 

Was ist der Richtwert für zu langes Sitzen? Die Zauberformel in einer Studie der Kansas State Universität lautet vier Stunden. Männer, die länger als vier Stunden pro Tag im Sitzen verbrachten, hatten Berichten zufolge ein erheblich größeres Risiko als Männer, die weniger als vier Stunden pro Tag im Sitzen verbrachten, an einer chronischen Krankheit wie Krebs, Diabetes, Herzerkrankungen und hohem Blutdruck zu erkranken. Der Zusammenhang mit Diabetes und Bluthochdruck war der stärkste. Die Verbindung mit Krebserkrankungen war die schwächste.

 

Jetzt denkst du vielleicht, dieses Problem betrifft mich nicht, weil ich ja Sport treibe. Tja, da liegst du falsch. Auch wenn du in Top-Form bist, ist der Zusammenhang von Sitzen und chronischer Erkrankung, wenn du über längere Phasen hinweg sitzt, immer noch da.

Der Zusammenhang zwischen dem Sitzen und chronischer Krankheit ist unabhängig davon, wie lange jemand Sport treibt. Selbst wenn wir kontrollieren, wie viel körperliche Bewegung jemand hat, bleibt der Zusammenhang dennoch bestehen.

 

Zusammenhang oder Ursache?

Die Wissenschaft ist sich nicht im klaren; von daher kann niemand mit Gewissheit sagen, dass es das Sitzen ist, was zu Fettleibigkeit, Diabetes, Bluthochdruck und anderen Leiden führt. Es ist möglich, dass Leute, die rauchen und trinken, nicht genügend Schlaf kriegen und ähnliche schlechte Angewohnheiten haben, zufällig auch gerne viel herumsitzen. Verhaltensmuster bilden ja häufig einen Komplex, d.h. dass Menschen, die mehr als eine negative Angewohnheit haben, oftmals mehrere solcher Angewohnheiten aufweisen.

Wissenschaftler halten dagegen, dass es zwar keine Gewissheit gäbe, jedoch starke Hinweise auf den Zusammenhang.

 

Fazit

Haben die Experten recht? Gibt es eine Verbindung zwischen Tod, Krankheit und Sitzen? Es ist zu früh um dies mit Sicherheit zu beantworten, aber wir sollten in jedem Fall vermeiden zu viel zu sitzen.

Und was meinst du dazu?

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